Taxonomische Einordnung
Ruminococcus gnavus ist ein häufiges, strikt anaerobes Darmbakterium aus der Familie Lachnospiraceae, aktuell als Mediterraneibacter gnavus reklassifiziert.
Biologische und funktionelle Rolle
R. gnavus besiedelt bevorzugt die Schleimschicht im Darm. Funktionell nutzt es vor allem Muzin-Glykane als Kohlenstoffquelle. Bei erhöhter Abundanz kann es zu einem vermehrten Abbau der Schleimschicht und potenziell reduzierter Schutzfunktion der Darmschleimhaut kommen. Für bestimmte Stämme wurden zudem proinflammatorische Mediatoren beschrieben, unter anderem ein TLR4-abhängiges entzündungsaktivierendes Polysaccharid, das in Modellen die Zytokinantwort stimulieren kann.
Krankheitsassoziationen
Bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wurden erhöhte relative Häufigkeiten beobachtet, besonders bei Morbus Crohn, teils auch in Zusammenhang mit Krankheitsaktivität.
Beim Reizdarmsyndrom mit Diarrhödominanz (IBS D) wurden erhöhte Werte berichtet, mechanistisch werden unter anderem bakterielle Metabolite diskutiert, die Serotoninwege und Motilität beeinflussen können. Die Datenlage ist insgesamt heterogen.
Für Fettlebererkrankung (NAFLD) gibt es Berichte über erhöhte Abundanz, ebenso wurden bei Autismus-Spektrum-Störungen erhöhte Mengen in einzelnen Arbeiten beschrieben. Die Befundlage ist jedoch uneinheitlich und stark von begleitenden Magen-Darm-Symptomen abhängig.
Klinische Einordnung
Erhöhte Anteile sind vor allem dann relevant, wenn sie zusammen mit Hinweisen auf Entzündung, reduzierte Schleimhautabwehr oder mit einem gleichzeitigen Rückgang zentraler Butyratproduzenten aus D2 auftreten. In solchen Konstellationen sollte die Interpretation als Muster erfolgen, gemeinsam mit C2- und D2-Markern und den Barriereparametern.
Crost EH et al. Ruminococcus gnavus: friend or foe for human health. FEMS Microbiol Rev. 2023.
Hong J et al. An Update on the Role and Potential Molecules in Relation to Ruminococcus gnavus in Inflammatory Bowel Disease, Obesity and Diabetes Mellitus. Diabetes Metab Syndr Obes. 2024.
Henke MT et al. Ruminococcus gnavus, a member of the human gut microbiome associated with Crohn’s disease, produces an inflammatory polysaccharide. PNAS. 2019.
Hall AB et al. A novel Ruminococcus gnavus clade enriched in inflammatory bowel disease patients. Genome Med. 2017.
Zhai L et al. Ruminococcus gnavus plays a pathogenic role in diarrhea-predominant irritable bowel syndrome by increasing serotonin biosynthesis. Cell Host Microbe. 2023.
Taxonomische Einordnung
Bacteroides fragilis ist ein gramnegatives, strikt anaerobes Darmbakterium aus der Familie Bacteroidaceae im Phylum Bacteroidota.
Biologische und funktionelle Rolle
Nicht-enterotoxigene B. fragilis-Stämme können zur immunologischen Balance an der Darmschleimhaut beitragen. Ein zentraler Mechanismus ist das kapsuläre Polysaccharid A (PSA), das regulatorische Immunantworten unterstützt, unter anderem über IL-10 vermittelte Mechanismen und regulatorische T Zell Antworten.
Ein Teil der B. fragilis-Population besteht jedoch aus enterotoxigenen Stämmen (ETBF). Diese tragen das bft-Gen und produzieren das Bacteroides fragilis-Toxin (BFT), eine Protease, die die epitheliale Integrität stören und proinflammatorische Signalwege aktivieren kann.
Krankheitsassoziationen
Bei Reizdarmsyndrom zeigen Patienten mit erhöhter Abundanz dieses Markers ein besseres Ansprechen auf eine Low-FODMAP-Diät.
Ungünstige klinische Assoziationen betreffen überwiegend den enterotoxigenen Subtyp (ETBF). ETBF wurde mit Diarrhö und entzündlichen Schleimhautreaktionen sowie mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen in Verbindung gebracht. Systematische Reviews und Meta-Analysen berichten eine höhere ETBF-Nachweisrate bei kolorektalem Karzinom gegenüber Kontrollen, und experimentelle Modelle stützen eine prokarzinogene Entzündungskaskade durch BFT.
Klinische Einordnung
Erhöhte Anteile von B. fragilis sind vor allem bei auffälligen Entzündungsmarkern oder Störung der Darmbarriere relevant. Wichtig für die Risikoeinordnung ist, dass die in Studien beschriebenen ungünstigen Assoziationen überwiegend ETBF zuzuordnen sind. Daher wird der Marker im Gesamtbild mit Entzündungsindikatoren, Barriereparametern und dem Muster opportunistischer Gruppen interpretiert.
Valguarnera E, Wardenburg JB. Good Gone Bad: One Toxin Away From Disease for Bacteroides fragilis. J Mol Biol. 2020.
Kayama H, Takeda K. Polysaccharide A of Bacteroides fragilis: Actions on Dendritic Cells and T Cells. Mol Cell. 2014.
Chung L et al. Bacteroides fragilis Toxin Coordinates a Pro carcinogenic Inflammatory Cascade via Targeting of Colonic Epithelial Cells. Cell Host Microbe. 2018.
Xia S et al. Prevalence of enterotoxigenic Bacteroides fragilis in patients with colorectal cancer: a systematic review and meta analysis. Front Cell Infect Microbiol. 2025.
Valeur J et al. Exploring Gut Microbiota Composition as an Indicator of Clinical Response to Dietary FODMAP Restriction in Patients with Irritable Bowel Syndrome. Dig Dis Sci. 2018.
Ulivi S et al. Enterotoxigenic Bacteroides fragilis: A Possible Therapy Target for Colorectal Cancer Prevention. Front Cell Infect Microbiol. 2019.
Taxonomische Einordnung
Pseudomonadota ist die aktuell verwendete Bezeichnung für das früher als Proteobacteria bekannte Phylum. Es umfasst viele Gattungen mit potenziell opportunistischem Verhalten, unter anderem Enterobacterales-Vertreter (z. B. Escherichia, Enterobacter, Klebsiella), aber auch weitere aerotolerante Gruppen.
Biologische und funktionelle Rolle
Viele Pseudomonadota sind fakultativ anaerob oder aerotolerant. Da das Kolon physiologisch anaerob ist, erhalten diese Keime einen Vorteil, wenn die Anaerobiose gestört ist, zum Beispiel bei Schleimhautentzündung, Störung der Darmbarriere, Diarrhö oder okkulten Blutbeimengungen. In solchen Situationen steigen lokale Sauerstoffverfügbarkeit und alternative Elektronenakzeptoren wie Nitrat, was die Expansion dieser Gruppen begünstigt, während strikt anaerobe SCFA-Netzwerke unter Druck geraten. Ein Teil der Arten gilt als potenzieller Histaminbildner, da innerhalb der Gruppe Histidindecarboxylase (HDC, hdcA) positive Stämme beschrieben sind. Die tatsächliche Histaminproduktion ist jedoch stammabhängig und aus der reinen Taxonomie nicht sicher ableitbar.
Einige Vertreter dieser Gruppe können bei geringer Verfügbarkeit fermentierbarer Kohlenhydrate vermehrt Aminosäuren verwerten (proteolytische Fermentation). Dabei können unter anderem Ammoniak, biogene Amine, Schwefelverbindungen sowie verzweigtkettige Fettsäuren entstehen, was mit stärker riechenden Gasen, Blähungen, weicherem Stuhl und einer Störung der Barriere einhergehen kann.
Krankheitsassoziationen
Erhöhte Abundanzen dieser Gruppe wurden unter anderem bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, nichtalkoholischer Fettlebererkrankung und in Zusammenhang mit kardiovaskulärem Risiko beschrieben.
Klinische Einordnung
Eine erhöhte Pseudomonadota-Abundanz wird als Hinweis auf ein entzündungsassoziiertes, weniger strikt anaerobes Darmmilieu interpretiert, insbesondere wenn gleichzeitig protektive, strikt anaerobe Fermentationsmarker vermindert sind. Ziel einer Intervention ist dann die Stabilisierung des anaeroben Fermentationsmilieus und die Reduktion von Treibern, die eine Pseudomonadota-Expansion begünstigen.
Shin NR et al. Proteobacteria: microbial signature of dysbiosis in gut microbiota. Trends Biotechnol. 2015.
Litvak Y et al. Dysbiotic Proteobacteria expansion: a microbial signature of epithelial dysfunction. Curr Opin Microbiol. 2017.
Gevers D et al. The treatment-naive microbiome in new-onset Crohn’s disease. Cell Host Microbe. 2014.
Choroszy M et al. Human Gut Microbiota in Coronary Artery Disease: A Systematic Review and Meta-Analysis. Metabolites. 2022.
Jie Z et al. The gut microbiome in atherosclerotic cardiovascular disease. Nat Commun.
Taxonomische Einordnung
Dieser Marker bündelt Bakterien aus dem Spektrum der Enterobacterales. Es handelt sich überwiegend um fakultativ anaerobe Bakterien.
Biologische und funktionelle Rolle
Enterobacterales besitzen einen Wachstumsvorteil, wenn das Kolon weniger strikt anaerob ist. So profitieren sie von einem Milieu mit Barrierestress und Entzündung, weil dann Sauerstofftoleranz und die Nutzung alternativer Elektronenakzeptoren Wachstums- und Konkurrenzvorteile verschaffen, im Sinne einer verminderten Kolonisationsresistenz. Ein Teil der Arten gilt als potenzieller Histaminbildner, da innerhalb der Gruppe Histidindecarboxylase (HDC, hdcA) positive Stämme beschrieben sind. Die tatsächliche Histaminproduktion ist jedoch stammabhängig und aus der reinen Taxonomie nicht sicher ableitbar.
Einige Vertreter dieser Gruppe können bei geringer Verfügbarkeit fermentierbarer Kohlenhydrate vermehrt Aminosäuren verwerten (proteolytische Fermentation). Dabei können unter anderem Ammoniak, biogene Amine, Schwefelverbindungen sowie verzweigtkettige Fettsäuren entstehen, was mit stärker riechenden Gasen, Blähungen, weicherem Stuhl und einer Störung der Barriere einhergehen kann.
Krankheitsassoziationen
Erhöhte Abundanzen wurden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen berichtet, teils im Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität. Darüber hinaus sind erhöhte Anteile mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen und der ankylosierenden Spondylitis (Morbus Bechterew) assoziiert. Salmonella umfasst zudem klassische enteropathogene Stämme, die akute Durchfallerkrankungen verursachen können.
Klinische Einordnung
Erhöhte Werte sprechen für eine Expansion fakultativer Anaerobier und passen zu einem entzündlichen oder postinfektiösen Darmmilieu. Die Interpretation sollte gemeinsam mit den weiteren E-Gruppen, Entzündungsmarkern, Barriereparametern und der SCFA-Butyrat-Achse erfolgen. Bei ausgeprägter Erhöhung zusammen mit akuter Symptomatik ist eine gezielte infektiologische Abklärung sinnvoll.
Litvak Y et al. Dysbiotic Proteobacteria expansion: a microbial signature of epithelial dysfunction. Curr Opin Microbiol. 2017.
Gevers D et al. The treatment-naive microbiome in new-onset Crohn’s disease. Cell Host Microbe. 2014.
Jie Z et al. The gut microbiome in atherosclerotic cardiovascular disease. Nat Commun. 2017.
Taxonomische Einordnung
Dieser Marker bildet mehrere Bakterien innerhalb der Ordnung Enterobacterales ab. Es handelt sich überwiegend um fakultativ anaerobe Bakterien, die im gesunden Kolon meist nur in niedriger relativer Häufigkeit vorkommen.
Biologische und funktionelle Rolle
Diese Bakterien besitzen einen Wachstumsvorteil, wenn das Kolon weniger strikt anaerob ist. So profitieren sie von einem Milieu mit Barrierestress und Entzündung, weil dann Sauerstofftoleranz und die Nutzung alternativer Elektronenakzeptoren Wachstums- und Konkurrenzvorteile verschaffen, im Sinne einer verminderten Kolonisationsresistenz. Ein Teil der Arten gilt als potenzieller Histaminbildner, da innerhalb der Gruppe Histidindecarboxylase (HDC, hdcA) positive Stämme beschrieben sind. Die tatsächliche Histaminproduktion ist jedoch stammabhängig und aus der reinen Taxonomie nicht sicher ableitbar. Für einzelne E.-coli-Subtypen ist zudem die Bildung von Colibactin (pks+ E. coli) beschrieben, das in experimentellen Modellen genotoxische Effekte vermitteln kann.
Einige Vertreter dieser Gruppe können bei geringer Verfügbarkeit fermentierbarer Kohlenhydrate vermehrt Aminosäuren verwerten (proteolytische Fermentation). Dabei können unter anderem Ammoniak, biogene Amine, Schwefelverbindungen sowie verzweigtkettige Fettsäuren entstehen, was mit stärker riechenden Gasen, Blähungen, weicherem Stuhl und einer Störung der Barriere einhergehen kann.
Krankheitsassoziationen
Erhöhte Abundanzen wurden bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen berichtet, teils im Zusammenhang mit der Krankheitsaktivität. Colibactin-bildende pks+ E.coli werden in Studien häufiger bei kolorektalem Karzinom nachgewiesen. Unter Metformintherapie wurden erhöhte Escherichia- und Shigella-Anteile beschrieben, in einzelnen Arbeiten korrelierte eine Zunahme mit gastrointestinalen Nebenwirkungen.
Klinische Einordnung
Erhöhte Werte sprechen für eine Expansion fakultativer Anaerobier und passen zu einem entzündlichen oder postinfektiösen Darmmilieu. Die Interpretation sollte gemeinsam mit den weiteren E-Gruppen, Entzündungsmarkern, Barriereparametern und der SCFA-Butyrat-Achse erfolgen. Umgekehrt kann eine Erhöhung auch durch starke Verschiebungen nach Infekten, Antibiotika oder unter Metformin mitgeprägt sein.
Palmela C et al. Adherent-invasive Escherichia coli in inflammatory bowel disease. Gut. 2018.
Forslund K et al. Disentangling type 2 diabetes and metformin treatment signatures in the human gut microbiota. Nature. 2015.
Gaab ME et al. A Meta-Analysis on the Association of Colibactin-Producing pks+ Escherichia coli with the Development of Colorectal Cancer. Lab Med. 2023.
Gilliland A et al. Pathobionts in Inflammatory Bowel Disease: Origins, Underlying Mechanisms, and Implications for Clinical Care. Gastroenterology. 2024.
Taxonomische Einordnung
Actinomycetaceae und Corynebacteriaceae sind Bakterienfamilien aus dem Phylum Actinomycetota. Ihre Vertreter sind typische Bestandteile der Mund- und Rachenflora sowie teilweise der Hautflora. Im Dickdarm gesunder Erwachsener sind sie meist nur in niedriger relativer Häufigkeit nachweisbar.
Biologische und funktionelle Rolle
Viele Vertreter sind aerotolerant und damit besser an Bedingungen angepasst, in denen die strikte Anaerobiose des Kolons abgeschwächt ist. Eine abgeschwächte Säurebarriere des Magens erleichtert es oral stammenden Bakterien, den Darm zu erreichen und dort insbesondere bei einer verminderten Kolonisationsresistenz nachweisbar zu werden.
Krankheitsassoziationen
Unter Protonenpumpenhemmern wurden Dysbiosen mit vermehrtem Nachweis oraler Bakterien im Darm beschrieben, konsistent mit einer vermehrten oralen Translokation.
Erhöhte Abundanzen werden außerdem wiederholt im Zusammenhang mit kolorektalen Tumorerkrankungen diskutiert. Dabei stehen nicht die einzelnen Marker im Vordergrund, sondern die Verschiebung in Richtung oraler Bakterien.
Klinische Einordnung
Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen, oder eine Säuresuppression durch Protonenpumpenhemmer. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.
Xiao X et al. Proton pump inhibitors alter gut microbiota by promoting oral microbiota translocation: a prospective interventional study. Gut. 2024.
Xu Z et al. Dysbiosis of human tumor microbiome and aberrant residence of Actinomyces in tumor associated fibroblasts in young onset colorectal cancer. Front Immunol. 2022.
Kunath BJ et al. The oral gut microbiome axis in health and disease. Nat Rev Microbiol. 2024.
Taxonomische Einordnung
Beide Bakterien gehören zur Familie Veillonellaceae. Ihre Vertreter sind typische Bestandteile der Mundflora. Im Dickdarm gesunder Erwachsener sind sie meist nur in niedriger relativer Häufigkeit nachweisbar.
Biologische und funktionelle Rolle
Veillonellaceae sind funktionell in fermentative Netzwerke eingebunden und nutzen Zwischenprodukte wie Lactat oder andere organische Säuren. Ein vermehrter Nachweis im Stuhl passt häufig zu einer Oralisation des Darmmikrobioms, begünstigt durch eine abgeschwächte Säurebarriere oder eine verminderte Kolonisationsresistenz.
Krankheitsassoziationen
Unter Protonenpumpenhemmern wurden Dysbiosen mit vermehrtem Nachweis oraler Bakterien im Darm beschrieben, konsistent mit einer vermehrten oralen Translokation.
Erhöhte Abundanzen werden außerdem wiederholt im Zusammenhang mit kolorektalen Tumorerkrankungen diskutiert. Dabei stehen nicht die einzelnen Marker im Vordergrund, sondern die Verschiebung in Richtung oraler Bakterien.
Klinische Einordnung
Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen, oder eine Säuresuppression durch Protonenpumpenhemmer. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.
Xiao X et al. Proton pump inhibitors alter gut microbiota by promoting oral microbiota translocation. Gut. 2024.
Kunath BJ et al. The oral gut microbiome axis in health and disease. Nat Rev Microbiol. 2024.
Taxonomische Einordnung
Die Streptococcus mitis-Gruppe gehört zu den Viridans-Streptokokken und umfasst mehrere nah verwandte, überwiegend oral assoziierte Arten. Sie sind typischer Bestandteil der Mund- und Rachenflora und werden im Kolon gesunder Erwachsener meist nur in niedriger relativer Häufigkeit nachgewiesen.
Biologische und funktionelle Rolle
Die Streptococcus-Mitis-Gruppe ist überwiegend milchsäurebildend und profitieren von Bedingungen, die die Passage aus dem oberen Verdauungstrakt erleichtern und im Darm ausreichend verwertbare Kohlenhydrate bereitstellen. Eine abgeschwächte Säurebarriere des Magens erleichtert es oral stammenden Bakterien, den Darm zu erreichen und dort insbesondere bei einer verminderten Kolonisationsresistenz nachweisbar zu werden.
Krankheitsassoziationen
Unter Protonenpumpenhemmern wurden Dysbiosen mit vermehrtem Nachweis oraler Bakterien im Darm beschrieben, konsistent mit einer vermehrten oralen Translokation.
Erhöhte Abundanzen werden außerdem wiederholt im Zusammenhang mit kolorektalen Tumorerkrankungen diskutiert. Dabei stehen nicht die einzelnen Marker im Vordergrund, sondern die Verschiebung in Richtung oraler Bakterien.
Klinische Einordnung
Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen, oder eine Säuresuppression durch Protonenpumpenhemmer. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.
Flemer B et al. The oral microbiota in colorectal cancer is distinctive and predictive. Gut. 2018.
Xiao X et al. Proton pump inhibitors alter gut microbiota by promoting oral microbiota translocation. Gut. 2024.
Taxonomische Einordnung
Die Viridans-Streptokokken sind eine heterogene Gruppe, zu der unter anderem Arten der Mitis- und Salivarius-Gruppe zählen. Sie gehören zur Normalflora von Mundhöhle und Rachen und treten im Dickdarm gesunder Erwachsener meist nur in niedriger relativer Häufigkeit auf.
Biologische und funktionelle Rolle
Viridans-Streptokokken sind überwiegend milchsäurebildend und profitieren von Bedingungen, die die Passage aus dem oberen Verdauungstrakt erleichtern und im Darm ausreichend verwertbare Kohlenhydrate bereitstellen. Eine abgeschwächte Säurebarriere des Magens erleichtert es oral stammenden Bakterien, den Darm zu erreichen und dort insbesondere bei einer verminderten Kolonisationsresistenz nachweisbar zu werden.
Krankheitsassoziationen
Unter Protonenpumpenhemmern wurden Dysbiosen mit vermehrtem Nachweis oraler Bakterien im Darm beschrieben, konsistent mit einer vermehrten oralen Translokation.
Erhöhte Abundanzen werden außerdem wiederholt im Zusammenhang mit kolorektalen Tumorerkrankungen diskutiert. Dabei stehen nicht die einzelnen Marker im Vordergrund, sondern die Verschiebung in Richtung oraler Bakterien.
Klinische Einordnung
Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen, oder eine Säuresuppression durch Protonenpumpenhemmer. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.
Kunath BJ et al. The oral gut microbiome axis in health and disease. Nat Rev Microbiol. 2024.
Flemer B et al. The oral microbiota in colorectal cancer is distinctive and predictive. Gut. 2018.
Xiao X et al. Proton pump inhibitors alter gut microbiota by promoting oral microbiota translocation. Gut. 2024.
Taxonomische Einordnung
Acinetobacter junii ist ein gramnegatives, aerotolerantes Bakterium aus der Gattung Acinetobacter und gehört nicht zu den typischen dominanten Darmkommensalen.
Biologische und funktionelle Rolle
A. junii ist ein „One-Health“-Organismus mit globaler Verbreitung. Humane und nicht-humane Isolate können eng verwandt sein, was auf Austausch zwischen Reservoiren hinweisen kann. Zudem wurden in humanen wie auch nicht-humanen Isolaten klinisch relevante Resistenzgene beschrieben, teils plasmidgetragen.
Ein Nachweis im Stuhl spricht für ein Milieu, in dem aerotolerante Begleitkeime leichter persistieren können, zum Beispiel bei abgeschwächter Anaerobiose, Störung der Darmbarriere oder verminderter Kolonisationsresistenz.
Krankheitsassoziationen
A. junii ist als opportunistischer Erreger beschrieben. Berichtet sind invasive Infektionen, unter anderem Blutstrominfektionen und katheterassoziierte Konstellationen, typischerweise bei vulnerablen Patientinnen und Patienten. Im Vergleich zu anderen Acinetobacter Arten ist A. junii insgesamt seltener.
Klinische Einordnung
Der Nachweis im Stuhl ist kein Hinweis auf eine Infektion. Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.
Hung YT et al. Clinical characteristics of patients with Acinetobacter junii infection. J Microbiol Immunol Infect. 2009.
Aguilar-Vera A et al. Acinetobacter junii: an emerging One Health pathogen. mSphere. 2024.
Taxonomische Einordnung
Metamycoplasma spp. umfasst Mykoplasmen, die primär mit dem Urogenitaltrakt assoziiert sind, etwa Metamycoplasma hominis (früher Mycoplasma hominis). Mycoplasma hominis ist ein zellwandloses Bakterium aus der Gruppe der Mykoplasmen. Es ist primär an urogenitale Schleimhäute angepasst und wird dort häufig als Kolonisationskeim nachgewiesen.
Biologische und funktionelle Rolle
Ein Nachweis im Stuhl spricht für ein Milieu, in dem aerotolerante Begleitkeime leichter persistieren können, zum Beispiel bei abgeschwächter Anaerobiose, Störung der Darmbarriere oder verminderter Kolonisationsresistenz.
Krankheitsassoziationen
Als Erreger ist M. hominis mit urogenitalen Infektionen assoziiert. Für den Stuhlnachweis existieren derzeit keine konsistenten Daten, die M. hominis als belastbaren Marker spezifischer Darmerkrankungen etablieren.
Klinische Einordnung
Der Nachweis im Stuhl ist kein Hinweis auf eine Infektion. Die Interpretation sollte in Zusammenschau mit der gesamten E-Gruppe erfolgen. Das Muster gewinnt an Relevanz, wenn gleichzeitig Hinweise auf eine verminderte Kolonisationsresistenz, Störung der Darmbarriere oder Entzündung bestehen. Als Einzelmarker sind diese Bakterien nicht krankheitsspezifisch.